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| (28-01-2009)
Sehr geehrter Herr Minister Stöger! Vier
Wochen lang haben sich nun die Österreicher von der Untauglichkeit
des Tabakgesetzes überzeugen können. Es ist eine Verhöhnung
des Tabakgesetzes, dass über 60 Prozent der Lokalbetreiber bewusst
gegen das Tabakgesetz verstoßen, so z.B. fast alle Lokale in Einkaufszentren.
Das Tabakgesetz sieht Rauchverbot für Räume öffentlicher
Orte vor. Diese Verstöße können von den Bürgern leicht
wahrgenommen werden. Schwieriger wird es schon in der Beurteilung, was
ist der Hauptraum. Der Hauptraum als Nichtraucherraum (mindestens 50 Prozent
der gesamten Sitzplätze) muss laut Tabakgesetz in seiner Gesamtbetrachtung
den anderen Räumlichkeiten als "übergeordnet" eingestuft werden
können. Fast jedes Landgasthaus und viele andere Lokale verstoßen
gegen diese Bestimmung, denn der Hauptraum ist meist immer noch verraucht
wie eh und je. Der Kennzeichnungspflicht an gut sichtbarer Stelle am Eingang
und zu jedem Gastraum und in den Gasträumen wird ebenfalls nicht nachgekommen,
was ein weiterer Verstoß gegen das Tabakgesetz ist.
80 Prozent der Gastwirte sind mit der jetzigen Regelung unzufrieden! Die Wirtschaftskammer jedoch behauptet, dass 61 Prozent der Wirte die jetzige Lösung einem generellen Rauchverbot vorziehen. Fast alle Lokalbetreiber, die rechtzeitig ein Bauansuchen auf Raumtrennung eingereicht haben, sind nach unserer Erfahrung gar nicht bereit, eine Raumtrennung bis 30.6.2010 zu vollziehen! Die meisten Wirte warten auf ein generelles Rauchverbot! Wenn Sie als verantwortlicher Gesundheitsminister erst nach einem Jahr das unsinnige Tabakgesetz evaluieren, dann handeln Sie verantwortungslos! In einem Jahr sterben in Österreich 14.000 Raucher vorzeitig an den Folgen der Raucherschäden und 1.500 Menschen sterben nur deshalb, weil sie passiv mitrauchen mussten. In Ländern mit einem generellen Rauchverbot in der Gastronomie ist die Herzinfarktrate um 10 Prozent gesunken und der Zigarettenkonsum hat nachweislich auch zu Hause abgenommen. Selbst in den Medien wird das Tabakgesetz zerrissen, weil alle Betroffenen damit unzufrieden sind. Sollte Ihnen das nicht Signal genug sein, ein ernsthaftes und durchführbares Tabakgesetz zu schaffen, das dem medizinischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht? Machen Sie sich frei von falschen Zahlen der Wirtschaftskammer, die auch schon in der Vergangenheit das Gesundheitsministerium und die Bevölkerung belogen hat, indem sie z.B. behauptet hat, in der dreijährigen Übergangslösung von 2005 - 2007 jeweils den Prozentsatz (30, 60, 90 Prozent) der geforderten Nichtraucherzonen erfüllt zu haben. Am Schluss waren es ca. 50 Prozent bei großzügiger Auslegung. Und nun hat wieder die Wirtschaftskammer in das Tabakgesetz hineindirigiert und erreicht, dass mit den vielen Ausnahmen und Übergangsfristen die problemlose Umsetzung unmöglich gemacht wurde. Ein Gesundheitsminister hat nicht die Befindlichkeiten der Wirtschaftskammer zu erfüllen, sondern ausschließlich die Interessen der Gesundheit der Bürger. Europa wird rauchfrei. Sorgen Sie für einen echten, umfassenden Nichtraucherschutz! Faule Kompromisse auf diesem Gebiet sind nicht nur ein Armutszeugnis verfehlter Gesundheitspolitik, sondern sind ein Akt fahrlässiger Handlung! Wir bitten dringend um Ihre Stellungnahme! Mit
freundlichen Grüßen
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